Milchkühe:

Haltung & Bedürfnisse

Milchkuhhaltung in Österreich: ein Bestandteil unserer Heimat

In Österreich hat Milchviehhaltung eine lange Tradition. Rund 90 Prozent der Milchlieferungen stammen von Bergbauernbetrieben (Quelle: Grüner Bericht, 2025).


Milchviehhaltung ist auf vielen Betrieben mit der Bewirtschaftung der Wiesen und Almen verbunden.

Milchkuhhaltung und Tiergesundheit

Das Wohlbefinden von Milchkühen hängt von vielen Faktoren ab. Neben der Haltungsform spielen auch Herdenmanagement, Tiergesundheit und tierbezogene Indikatoren eine wichtige Rolle.


Dazu zählen unter anderem:

  • ausreichende Bewegungsflächen
  • freie Bewegungsmöglichkeit für Futter- und Wasseraufnahme
  • Zugang zu Weide oder Auslauf, soweit im jeweiligen Haltungssystem vorgesehen
  • komfortable Liegeflächen in ausreichender Anzahl
  • helle und gut belüftete Stallungen
  • regelmäßige Betreuung und ein ruhiger Umgang mit den Tieren
  • wiederkäuergerechtes Futter wie Gras, Heu oder Silage
  • tierärztliche Versorgung bei Krankheit
  • Maßnahmen zur Verringerung von Stress


Gesetzliche Standards sind einzuhalten. Die AMA-Richtlinien für Milchkuhhaltung legen darüber hinausgehende Anforderungen fest.

SehensWERT- Kein Urlaub am bauernhof

Unter dem Motto „SehensWERT – Kein Urlaub am Bauernhof“ – begleitete Dancing Stars Jurorin Maria Santner Landwirtinnen und Landwirte sowie Herstellerinnen und Hersteller bei ihrer täglichen Arbeit, um mehr über den Wert von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten zu erfahren.


Maria startete ihre Entdeckungsreise auf einem AMA-Milchviehbetrieb in Waidhofen an der Thaya. Einen Tag lang begleitete sie die Landwirte Brigitte und Martin, um zu erfahren, welcher Einsatz notwendig ist, um erstklassige Lebensmittel zu produzieren. Vom Melken über das Füttern bis hin zum Umgang mit den Tieren – sie erlebte die Leidenschaft, die hinter jedem Liter Milch steckt.

Aufzucht: So wird ein Kalb zur Milchkuh

In der Milchviehhaltung werden in Österreich vorwiegend sogenannte Zweinutzungsrassen wie Fleckvieh, Pinzgauer oder Grauvieh eingesetzt, aber auch spezielle Milchviehrassen wie Holstein-Friesian und Braunvieh (Brown Swiss).


Wenn ein Kalb geboren wird, bekommt es in der Regel in den ersten Lebensstunden die Muttermilch (Kolostrum/Biestmilch), das stärkt das Immunsystem und fördert von Beginn an Wachstum und Entwicklung.

In der Regel werden Kuh und Kalb nach der Geburt voneinander getrennt. Die Gründe dafür sind einerseits wirtschaftlicher Natur (für den Landwirt ist es rentabler, wenn die Milch der Kuh für den Verkauf verfügbar ist) und andererseits die baulichen Gegebenheiten der meisten Höfe (eine getrennte Haltung vereinfacht viele Arbeitsläufe). Eine Ausnahme bildet die Mutterkuhhaltung, bei der das Kalb bei der Kuh verbleibt, diese dann in den meisten Fällen nicht gemolken wird.


In den ersten Wochen trinkt das Kalb vor allem Milch, oder die Kälber erhalten Milchersatz (Milchpulver).

Spätestens ab der 2. Lebenswoche erhalten die Kälber Raufutter mit ausreichendem Rohfasergehalt – meist Heu. Frühes Festfutter ist vor allem für die Pansenentwicklung der Aufzucht-Kälber wichtig, da die Pansenmikroben dadurch dauerhaft aufgebaut werden. Bei der Fütterung setzt man auf ein eher kontrolliertes Wachstum. Zu schnelles Verfetten ist besonders bei weiblichen Nachzuchttieren unerwünscht, weil dies die spätere Milchleistung beeinträchtigen kann. Anders beim Milchmastkalb – dort ist eine intensivere Fütterung notwendig um auch entsprechende qualitativ gute Schlachtkörper und damit hochwertiges Kalbfleisch zu erhalten.


Die Aufzucht der Kälber erfolgt in Gruppen- oder Einzelhaltung. Meist kommen Kälberiglus zum Einsatz. Ab einem Alter von acht Wochen müssen die Tiere in Gruppen gehalten werden. Die Gruppenhaltung von Kälbern fördert ihr natürliches Sozialverhalten und verbessert das Tierwohl. Kälber lernen voneinander, bewegen sich mehr und entwickeln sich besser. Für das Wohlbefinden der Tiere ist es auch bei Kälbern enorm wichtig, dass die Liegefläche trocken und weich ist.


Rinder werden laut 1. Tierhaltungsverordnung bis zum Alter von 6 Monaten als Kälber bezeichnet.

Schon gewusst, ...

... dass die Haltung von Kälbern in Kleingruppen ab den ersten Lebenswochen das Tierwohl positiv beeinflusst. Dies empfiehlt die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit in einem Gutachten. Zusätzlich zur Gruppenhaltung wird u.a. ein ausreichendes Platzangebot zum Ausruhen und Spielen sowie Zugang zu bequemer Einstreu und Fütterung mit ballaststoffreichem Futter wie Heu ab der 2. Lebenswoche empfohlen.

Mit diesen Erkenntnissen soll die Überarbeitung der Tierschutzvorschriften der Europäischen Union unterstützt werden.


Mehr Infos gibt es hier

Milchkuhhaltung: die unterschiedlichen Haltungsformen

Milchkühe können im Laufstall, in Kombinationshaltung und auf Wiesen, Weiden und Almen freilaufend gehalten werden. Diese Haltungsformen sind auch innerhalb des AMA-Gütesiegel-Programmes möglich.

Laufstall

Im Laufstall können sich Milchkühe 24/7 frei bewegen. Die Tiere sind nicht angebunden und können eigene Bereiche zum Fressen, Bewegen und Liegen nutzen. Zum Melken kommen die Kühe zwei Mal täglich in den Melkstand. Bei einem Melkroboter lassen sich Kühe bis zu vier Mal am Tag melken.


In der Laufstallhaltung haben Milchkühe mehr Bewegungsfreiheit als in Kombinationshaltung. Sie können frei wählen, ob sie fressen, herumgehen oder sich hinlegen wollen. Das freie Platzangebot ermöglicht es den Tieren, ihr natürliches Sozialverhalten auszuleben.

Kombihaltung

In der Kombihaltung haben die Kühe im Stall ihren eigenen Standplatz, wo sie fixiert sind. An mindestens 90 Tagen muss ihnen jedoch Auslauf gewährt werden. Immer öfter entscheiden sich die Milchviehhalterinnen und -halter für Bewegungsfreiheit der Tiere an mindestens 120 Tagen.

Auslaufstall

Eine besondere Form der Milchviehhaltung bietet die Verbindung aus Laufstall und Kombihaltung. Sie ist speziell für kleinere Betriebe mit wenigen Kühen geeignet.


Die Kühe werden nur zum Melken, bei tierärztlichen Behandlungen und bei wetterbedingten Ausnahmesituationen fixiert. Sonst können sie sich im Stall und auch außerhalb auf befestigten Flächen oder/und einer angrenzenden Weide frei bewegen.

Weidehaltung

Bei der Weidehaltung haben Milchkühe Zugang zu einer Wiese oder Weide. Dort haben sie Auslauf und Bewegungsfreiheit. Wichtig ist die Bereitstellung von frischem Wasser. Eine Kuh benötigt an sehr heißen Tagen eine Badewanne voll – also 150 Liter (an normalen Tagen die Hälfte).

Bio-Haltung

Die Bio-Haltung bei Rindern ist streng geregelt. Die Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben. Dort können sie sich frei bewegen, wann immer die Witterungsbedingungen und jahreszeitlichen Bedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben. Darüber hinaus erhalten sie nur Futter aus zertifiziert biologischem Anbau.

Schon gewusst, ...

... dass Kühe sich, in erster Linie zum Wiederkäuen der Nahrung, für mindestens zehn Stunden niederlegen?

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Schon gewusst, ...

... rund ein Drittel der heimischen Milchkühe in Kombinationshaltung lebt, zwei Drittel leben in Laufställen.


Knapp jede zehnte österreichische Milchkuh verbringt den Sommer auf der Alm.

AMA-Gütesiegel Milch: Kriterien für Milchkuhbetriebe

Die AMA-Gütesiegelkriterien bauen auf den gesetzlichen Anforderungen auf. Diese sind:

  • Platzangebot bzw. Bewegungsfreiheit
  • Bodenbeschaffenheit
  • bauliche Unterkünfte und Haltungsvorrichtungen
  • Stallklima, insbesondere Licht und Temperatur
  • Betreuung
  • Ernährung
  • Möglichkeit für Sozialkontakt


Die AMA-Gütesiegel-Kriterien legen Anforderungen an Qualität, Herkunft und Rückverfolgbarkeit von Milchprodukten fest. Die Milch der Produkte mit dem AMA-Gütesiegel stammt aus der jeweiligen Region und wird auch dort verarbeitet. Ein besonderer Fokus liegt auch auf kontrollierter Fütterung: Es werden nur geprüfte, gentechnikfreie Futtermittel eingesetzt. Soja stammt aus entwaldungsfreier Produktion. Werden Futtermittel zugekauft, müssen diese pastus+ qualitätszertifiziert sein. Alle nicht zugelassenen Futtermittel sind in der Negativliste der AMA-Marketing angeführt und dürfen im AMA-Gütesiegelprogramm nicht verwendet werden.


Auch die Gesundheit der Tiere wird laufend überwacht, sodass bei Auffälligkeiten rasch reagiert werden kann. Die laufende Bestandsbetreuung durch einen anerkannten Tiergesundheitsdienst wird empfohlen.


Die Dokumentation unterstützt die Rückverfolgbarkeit der relevanten Schritte. Regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Stellen und betriebliche Eigenkontrollen überprüfen die Einhaltung der festgelegten Anforderungen.


Die Kriterien zur Haltung von Kühen stehen in der entsprechenden AMA-Gütesiegel-Richtlinie.

Zusatzmodul „Tierhaltung plus"

Das freiwillige Zusatzmodul "Tierhaltung plus" schreibt vor, dass den Milchkühe mehr Bewegung und verpflichtende Scheuermöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch der Einsatz ausschließlich europäischer Futtermittel, ein erweitertes Tiergesundheitsmonitoring sowie eine jährliche Kontrolle sind im Zusatzmodul festgelegt.

Zusatzmodul „Qplus-Kuh“

Landwirtinnen und Landwirte, die am freiwilligen Zusatzmodul "Qplus-Kuh" teilnehmen, müssen besondere Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen betreffen unter anderem Produktqualität, Tiergesundheit, Datenauswertung und betriebliche Abläufe in der Milchproduktion.


Beispiele hierfür sind die Überwachung und Unterstützung des Stoffwechsels von Kühen, insbesondere nach der Geburt eines Kalbes. Damit können mögliche Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und Maßnahmen ergriffen werden. Spezielle Analysen unterstützen die Beurteilung der Nährstoffversorgung und die Kontrolle der Eutergesundheit.

Schon gewusst,...

...dass ein österreichischer Betrieb im Durchschnitt 25 Milchkühe hält?


Zum Vergleich: Ein Schweizer Milchbetrieb hat durchschnittlich 30 Kühe. Ein deutscher Betrieb kommt auf rund 74 Kühe. Und die slowakischen Milchbetriebe zählen im Durchschnitt mehr als 310 Milchkühe je Hof.

Häufig gestellte Fragen zur Milchkuhhaltung

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