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AMA-Milchsymposium 2022: Zum Wohle des Tieres, lasst uns unsere Haltung ändern!

Konsumenten legen zunehmend Wert auf Tierwohl Mehr Tierwohl braucht mehr Wertschätzung – und zukunftsweisende Strategien

Das Interesse an Tierwohl ist in der Bevölkerung groß. 80 Prozent hätten zu diesem Thema gerne mehr Informationen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Online-Umfrage von marketagent, die anlässlich des AMA-Milchsymposiums am 25. Mai präsentiert wurde. Das Symposium, heuer unter dem Motto „Zum Wohle des Tieres, lasst uns unsere Haltung ändern!“, fand nach coronabedingter Pause erstmals wieder als Präsenzveranstaltung statt. Veranstaltungsort war das Raiffeisenforum in Wien.

 

„Wir haben eine konkrete Vision von Tierwohl und werden unseren Auftrag dahingehend stärker akzentuieren. Dabei geht es auch darum, alle zu überzeugen und mitzunehmen auf dem Weg hin zu maßgeblich verbesserter Produktqualität durch mehr Tierwohl. Der Fokus liegt dabei auf breit aufgestellten Langzeitprogrammen, wie beim „Masterplan Schwein“. Verbesserte Transparenz, etwa in Form einer Tierhaltungskennzeichnung, wird dabei eine Rolle spielen“, so Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, in seinem Begrüßungsstatement.

 

Mehr Wertschätzung, mehr Herausforderungen

Josef Moosbrugger, Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer, betonte die positive Rolle der Bauern in diesem Zusammenhang: „Die wirklichen Tierschützer sind die Bäuerinnen und Bauern, die jeden Tag schauen, dass es den Tieren gut geht.“ Er skizzierte eine Zukunft, die maßgeblich auf der Wertschätzung der regionalen Versorgung basieren sollte. Bei der Tierhaltungskennzeichnung befürchtet Moosbrugger Schwierigkeiten, wenn es darum geht die Produktionsvielfalt der Tierhaltungsbetriebe hierzulande in ein einheitliches Kennzeichnungssystem zu gießen. Und auch wenn Moosbrugger darauf hinweist, dass die Bauern nicht mit Überregulierungen überfordert werden dürfen, zeigt er sich dennoch zuversichtlich indem er sagt: „Mit dem AMA-Gütesiegel kann ein solches System entwickelt werden.“

 

In dieselbe Richtung argumentierte auch Stefan Lindner, Aufsichtsratsvorsitzender der Berglandmilch, der auf die Herausforderungen durch unterschiedliche Geschwindigkeiten bei Veränderungen der verschiedenen Branchen hinwies. Er forderte dazu auf, genau hinzuschauen und die Besonderheiten der österreichischen Landwirtschaft zu erkennen.

 

Bürger und Konsumenten sind verschieden

Yascha Lena Koik, Doktorantin an der Fachhochschule Kiel, ging in ihrem Referat der Frage nach: „Wie fair verhalten sich die Konsumenten beim Tierwohl?“. Ihre Antwort war ernüchternd. Das beginnt damit, dass die Wahrnehmung zu diesem Thema bei Verbrauchern und Landwirtschaft stark divergiert. 41 Prozent der Verbraucher denken, dass die Tierhaltung früher besser war. Das mündet in den so genannten „Consumer-Citizen-Gap“: „Die Einstellung von Menschen weicht in ihrer Rolle als Bürger deutlich vom Verhalten in ihrer Rolle als Konsument ab. Angegebene Mehrzahlungsbereitschaften in Befragungen entsprechen nicht den Scanner-Daten der Supermarktkassen.“

 

Mehr Tierwohl braucht mehr Wertschätzung

Das Interesse an Tierwohl ist in der Bevölkerung groß. 80 Prozent hätten zu diesem Thema gerne mehr Informationen, so das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Online-Umfrage von marketagent, die von Rüdiger Sachsenhofer, Qualitätsmanager der AMA-Marketing präsentiert wurden. Neben den Chancen zeigen sich auch die Hemmnisse der erfolgreichen Vermarktung von Tierwohlprodukten.

Mit Tierwohl verbinden die Befragten zuallererst artgerechte Haltung im Sinne von Auslauf ins Freie und Platz im Stall. Die Kundinnen und Kunden legen viel Wert darauf, dass die Tiere Zugang zu Weiden und Freigelände haben. Weitere wichtige Faktoren sind kurze Transportwege für die Tiere und eine hohe Qualität der Futtermittel, also frisches und natürliches Futter.

 

Steigende Preise senken Zahlungsbereitschaft

Auf der anderen Seite spüren die Verbraucher die steigenden Lebensmittelpreise und beginnen, ihr Einkaufsverhalten daran anzupassen. 90 Prozent der Studienteilnehmer geben an, beim Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs mehr auf den Preis zu achten als noch vor einem halben Jahr. Das wirkt sich auch auf die Bereitschaft aus, für Tierwohlprodukte mehr zu bezahlen. Rund drei Viertel ist grundsätzlich bereit dazu, jedoch würden 50 Prozent maximal ein Viertel mehr für höhere Standards in der Tierhaltung ausgeben. Ein Drittel will aufgrund der aktuellen Lage keine Mehrpreise akzeptieren, fast die Hälfte würde es tun, jedoch den Konsum einschränken. Neben dem Preis ist für ein Fünftel der Befragten mangelndes Vertrauen in Tierwohl-Kennzeichnungen ein Hemmnis, derartige Produkte zu kaufen.

 

Wertschätzung für Tierwohlprodukte erhöhen 

Die heimischen Landwirte bekennen sich zu höheren Auflagen und investieren nach und nach in Verbesserungen der Haltungsbedingungen. Letztendlich müssen diese Anstrengungen auch abgegolten werden, damit die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können.

 

Die Milch muss ihre Geschichte erzählen

Ludwig Börger, Geschäftsführer der deutschen „QM-Milch“, stellte sich mit dem Statement „Die Weichen sind gestellt – die Branche ist gefordert.“ vor die Zuhörerschaft. Klar ist, dass gesellschaftliche Erwartungen an Lebensmittel, sprich die Ansprüche der Konsumenten stetig zunehmen: „In Deutschland sollen Lebensmittel alles sein und alles können und all das gleichzeitig: Gesund, sauber, natürlich, umweltfreundlich, mit Tierwohl, preiswert …“ Hinzu kommen nach Börger noch die über die Leitmedien transportierten „Milchmythen“, die eine problematische Darstellung der Landwirtschaft beinhalten. Deshalb soll, so Börger, Milch etwas über sich erzählen. „Wir müssen eine Geschichte über die Milch erzählen: Wir müssen zeigen, was alles passiert.“ Nur so könne es gelingen mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft und ihre Produkte zu erzielen.

 

Herausforderungen und Zielkonflikte

Stefan Kohler, Geschäftsführer der „Branchenorganisation Milch“ in Bern, zeigte in seinem Referat, welche Erfahrungen man in der Schweiz auf dem Weg zu mehr Tierwohl gemacht hat. Er berichtete von „Swissmilk Green“, einem Label, das der Produktionsstandard für „Nachhaltige Schweizer Milch“ ist. Es wurden zehn Grundanforderungen definiert, die den Produktionsstandard der Schweizer Milchwirtschaft in Sachen Tierwohl, Fütterung, Nachhaltigkeit und Soziales umsetzen.

Die Marke „Swissmilk Green“ wird denjenigen zur Verfügung gestellt, die nach diesem Standard produzieren. Die größte Herausforderung zu Beginn war es Konkurrenz zu Labels vermeiden und trotzdem glaubwürdig sein. Dieser Herausforderung muss sich die Branche, so Kohler, unbedingt stellen. Er verwies auch auf Zielkonflikte im Bereich der nachhaltigen Milchwirtschaft hin und nannte beispielhaft: Laufstall vs. Ammoniakemissionen, Extensivierung vs. Klimaschutz und Haltungsform vs. Regionalität.

 

Die Schweiz als Vorreiter?

Rolf Bernhard, Leiter Agronomie und Produktionssysteme bei der Schweizer Migros-Gruppe, berichtete über Erfahrungen mit dem Kennzeichnungssystem „M-Check“. Gemeinsam mit externen Experten hat die Migros eine Nachhaltigkeits-Skala entwickelt. Auf einer Skala von 1 bis 5, analog einer Hotelbewertung stuft „M-Check“ die Migros Eigenmarken hinsichtlich Klimaverträglichkeit und Tierwohl ein. So erhalten die Konsumenten einen Überblick über Tierwohl und Klimaverträglichkeit. Die Migros hat bereits mehr als 3.500 Produkte mit „M-Check“ in den Regalen stehen.

Bis 2025 will die Migros sämtliche Produkte ihrer rund 250 Eigenmarken mit der M-Check-Bewertung versehen, auch im Bereich Non-Food. Das entspräche etwa 80 Prozent des Sortiments oder rund 70.000 Artikel. Bleibt die Frage: Kann das System ein Vorbild für Österreich sein?

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DI Manuela Schürr

Leiterin Unternehmenskommunikation

Tel: +43 50 3151 404
2022
Pressemitteilung