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Rosa oder blau?

Hortensien passend machen

Die Hortensie ist gewissermaßen das Chamäleon unter den Gartenpflanzen. Blüht schön rosig vor sich hin und wiegt sich im Wind. Doch kaum ist sie sauer, blüht sie plötzlich blau. Und das Beste daran ist: Sie, werte gartelnde Leserinnen und Leser, können das steuern. Wenn die Hortensien nicht zum neuen Rasenmäher oder zum ausgebleichten Sonnenschirm passen: Einfach umfärben und schon ist alles Ton in Ton.

Ratzfatz per Knopfdruck geht das allerdings nicht. Denn die Farbe der Hortensienblüten ist abhängig vom Säuregehalt des Bodens. Der lässt sich verändern: durch aluminiumhaltigen Dünger entsprechend in Richtung sauer, mit Kalk in Richtung alkalisch. Dabei gilt es, Vorsicht walten zu lassen, denn jenseits schöner Farben lauert die Schädigung, die bis zum Tod der schönen Hibiskuspflanze führen kann.

Am besten Sie beginnen damit, einen „ph-Bodentest“ beim Gärtner Ihrer Wahl zu erwerben. Der kostet zwischen 5 Euro (schlicht) und 25 Euro (luxuriös). Dann kennen Sie den Status quo Ihres Bodens und können entsprechend agieren. Bei einem ph-Wert von 5,2 bis 5,5 blüht die Hortensie blau. Bei 6,0 bis 6,2 blüht sie rosé.

Sollte das als Handlungsanweisung zu ungenau sein: Streberinnen und Streber können sich auch gerne durch diese Dissertation arbeiten. Da bleiben nicht einmal mehr Hortensien-Fragen offen, die man nie gehabt hätte.

Und als hochwirksames Mittel gegen unangenehme Trockenheit im Wissensbereich erlauben wir uns, Ihnen Lyrik ans Herz, also vors Auge zu legen. Der gute Rainer Maria Rilke hat nämlich im Jahr 1906 ein Gedicht über die Hortensie geschrieben – leider bevor ihm wer den Trick mit dem Aludünger verraten hat. Schön ist es trotzdem. Weil Rilke und weil in Paris geschrieben:

Blaue Hortensie

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.  

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