AMA
Österreich besser essen
DI Martin Greßl, Leiter Qualitätsmanagement der AMA-Marketing „Es gibt nichts Besseres als Regionalität! Regionale Kreislaufwirtschaft (Aus der Region - Für die Region - Mit der Region) mit ausgeprägten partnerschaftlichen Inhalten hilft den heimischen Arbeitsplätzen, dem Landschaftsbild (Kulturlandschaft wird gepflegt) und letztendlich der Versorgungssicherheit im eigenen Land, insbesondere in Krisenzeiten.“

Es bleibt alles anders in den Zeiten von Corona. Unter gänzlich veränderten Voraussetzungen entsteht derzeit eine neue kulinarische Normalität. Damit werden jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt. Über den Zusammenhang von wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit und landwirtschaftlicher Versorgungssicherheit.

 

Österreich in den Zeiten von Corona. Auf einmal fällt allen auf, welch bedeutende Arbeit Bauern, Pflegekräfte und viele andere Nicht-Spitzenverdiener leisten. Von der Supermarktkassiererin in 48 Stunden zur systemrelevanten Heldin des Alltags. Aber genauso schnell kann es wieder retour gehen, auch für die Bauern.

 

Nach einer kurzen Corona-Schrecksekunde, die durch den mittlerweile hinreichend bespöttelten Kauf von Nudeln und Klopapier sublimiert werden konnte, hat die Entwicklung der neuen Normalität begonnen. Jetzt werden die Gepflogenheiten von morgen verhandelt, nicht zuletzt die kulinarischen.

 

Wir, die Verbraucherinnen und Verbraucher, sind die im Wortsinne entscheidende Marktmacht. Wir entscheiden was wir kaufen.

 

Diese Macht sollten wir mit unseren Entscheidungen bestmöglich nutzen. Denn wenn wir auch inZukunft noch gut essen und trinken wollen, dann brauchen wir dafür auch Bauern und Produzenten, die uns Lebensmittel in der gewünschten Qualität und Menge liefern können. Klingt logisch, ist aber nicht selbstverständlich. Was also hat Corona mit Lebensmittelqualität und dazugehörigen „Sekundärtugenden“ wie Tierwohl oder Umweltverträglichkeit zu tun?

Gestern: Unsere Bauern liefern!

„Unsere Bauern liefern!“ Das war die zentrale Botschaft der AMA in der ersten Woche des Corona-Shutdowns. Dahinter steht das Wissen darum, dass die heimische Landwirtschaft uns auch langfristig ausreichend mit allem Notwendigen versorgen kann. Bei tierischen Produkten hat Österreich einen Grad der Selbstversorgung von über 100 %. Das heißt, wir produzieren in Österreich mehr Rind- und Schweinefleisch, Milch und Käse, als wir essen. Bei Hendlfleisch, Eiern und Butter können die Produzenten immerhin alle Haushaltseinkäufe sehr gut bedienen.

 

Das hat sich auch in Zeiten von Corona nicht geändert, denn die Welt dreht sich weiter. Kühe geben weiterhin jeden Tag Milch. Hendln legen jeden Tag Eier. Rinder, Schweine und Hendln werden weiterhin geschlachtet. Es bleibt dabei, unsere Bauern liefern!

 

Ganz ähnlich ist es bei der Versorgung mit den grundlegenden pflanzlichen Erzeugnissen. Generell produzieren die heimischen Landwirte mehr Getreide, Erdäpfel, Äpfel, Karotten, Paradeiser, Paprika und Gurken, als im Land verbraucht werden. Geerntet wird permanent. Niemand muss befürchten, in Österreich vor leeren Verkaufsregalen zu stehen. Unsere Bauern liefern!

Heute: Hinter den Kulissen

Unsere Bauern liefern, ja. Aber das heißt nicht, dass es keine Mängel im Lebensmittelbereich gibt. Sie sind für uns Verbraucher nur nicht so augenfällig. In einer globalisierten Welt ist es nicht möglich, von jetzt auf gleich in den „Regional-Modus“ umzuschalten. Da ist etwa die Problematik mit Erntehelfern und Mitarbeitern in fleischverarbeitenden Betrieben. Viele davon pendeln aus Ungarn und der Slowakei zu ihren österreichischen Arbeitsplätzen – oder, wenn die Grenzen für Personen geschlossen sind, pendeln sie eben nicht. Ein vergleichsweise einfach zu lösendes, weil auch räumlich sehr begrenztes Problem.

 

Komplexer ist da schon die Sache mit den weniger offensichtlichen Waren. So werden zum Beispiel viele Wursthäute und Joghurtbecher in Italien hergestellt. Die Wurst hätten wir, die Wursthaut hätten wir aber bitte auch gern.

 

Und, zwei Produktionsschritte weiter zurück, liegen in irgendwelchen Häfen dieser Welt Frachtschiffe mit Zutaten für Tierfutter. Zutaten, die man auch in Österreich braucht. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise geht es bei den Auswirkungen der Globalisierung also gar nicht unbedingt um Kaffee und Ananas, sondern auch um Frankfurter Würstel und Heumilchjoghurt. Wenn man also in Österreich nicht komplett von globalen Gegebenheiten abhängig sein will, braucht es nicht nur einheimische Erntehelfer und Mitarbeiter auf Schlachthöfen, sondern auch eine nennenswerte Produktion von allem, was für den Lebensmittelsektor benötigt wird. Das ist keine Frage eines zweifelhaften Patriotismus, sondern, wie sich jetzt deutlich zeigt, eine der Versorgungssicherheit. Aber ließen sich Wursthäute hierzulande rentabel herstellen?

Landwirt auf Weide blickt auf Berge im Hintergrund

Morgen: Die Karten werden neu gemischt

Zu Beginn der Corona-Krise war den Konsumenten die Versorgungssicherheit besonders wichtig. Das Wissen darum, dass sich das Land im Großen und Ganzen selbst versorgen kann, hat sehr viel zur Entspannung in der Bevölkerung beigetragen. Nun rückt der Zeitpunkt näher, langsam, aber doch, an dem die globalen Warenströme wieder fließen, die Gastronomie wieder ihre Tore öffnet. Dann werden auch die Bauern und Lebensmittelproduzenten dieser Welt mit ausgefahrenen Ellbogen zurück auf die Märkte drängen. Die Gastronomen und alle anderen betroffenen Player im Lebensmittelsektor werden nichts unversucht lassen, den entgangenen Umsatz aufzuholen. Es wird Preisschlachten, Verdrängungswettbewerbe, Überlebenskämpfe geben.

 

Die Gastrobetriebe, die es nach Corona noch gibt, sehen sich mehr denn je gezwungen, möglichst preiswert einzukaufen. Das müssen nun weite Teile der Gesellschaft – auch die Glücklichen, die noch einen Arbeitsplatz, ein Einkommen haben. Verlierer in dem Kampf um Marktanteile könnten dabei ausgerechnet jene österreichischen Bauern und Hersteller sein, über deren heldenhafte Existenz gerade noch glückliche Erleichterung herrschte.

 

Tierwohl und Umweltverträglichkeit, dazu kurze Transportwege. Das sind wichtige Charakteristika hiesiger Regionalität. All das verbindet sich zu nachhaltiger Produktion, AMA-kontrolliert. Wird alles sehr geschätzt, aber nichts davon hat oberste Priorität, wenn im Börsel Ebbe ist. In Wahrheit ist billig oft teurer. Denn die Folgekosten sind meistens sehr viel höher als die momentane Einsparung. Gute Qualität von Lebensmitteln, gute Arbeitsbedingungen für die Bauern und Produzenten, das muss man sich leisten wollen. Wollen, nicht können. ‚Dankbarkeit ist keine politische Kategorie’, sagte Bruno Kreisky dereinst. Eine ökonomische Kategorie ist Dankbarkeit aber auch nicht. Deshalb ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, seine Marktmacht als Verbraucher mit einer Einstellung einzusetzen, die als ‚weitblickender Egoismus’ bezeichnet werden könnte.

 

Und wer wollte nicht die landschaftliche Schönheit des Landes bewahrt, wenn möglich gar verbessert sehen? Wir alle schätzen die kleinen Unterschiede, genießen es, dass der Huber-Bauer den Speck würziger macht als der Gruber-Bauer und die Senner von der Schön-Alm einen anderen guten Käse machen als die Senner von der Schiarch-Alm. Wer das alles will, muss Qualität aus der Region kaufen und dafür auch entsprechend zahlen. Die Eier aus grindigen Quäl-Käfigen in Ost-Scheißmirnixdan machen auch gute Nudeln, aber zusätzlich machen sie noch dem Hendlbauern in der Region den Garaus. Die hohen Qualitätsstandards, die für das AMA-Gütesiegel notwendig sind, schlagen sich auch in den Produktionskosten nieder. Der heimische Bauer kann mit den Kollegen aus Ost-Scheißmirnixdan preislich unmöglich mithalten. In den letzten 50 Jahren hat die Hälfte aller hiesigen Bauern aufgegeben. Derzeit sind es noch 160.000 und es werden jährlich weniger. Gleichzeitig wäre unser kulinarisches Leben ohne Mitarbeiter aus Ländern, denen es wirtschaftlich noch nicht so gut geht wie Österreich, jetzt schon nicht existent. Und das ist der Status quo ante Corona. Zugegeben, die verbleibenden Landwirtschaftsbetriebe sind dafür deutlich größer geworden. Aber die österreichische Landwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie überwiegend aus kleinen Familienbetrieben besteht. 20 Kühe stehen durchschnittlich in heimischen Ställen. Wirtschaftlich ist das von Nachteil, ökologisch, sozial und kulinarisch ist es ein großer Vorteil.

 

Wir können dankbar sein, dass Corona nicht im Jahr 2040 über uns gekommen ist. Denn wenn die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte unverändert fortschreiten, haben wir in 20 Jahren kaum noch nennenswerte Lebensmittelproduktionen im Land. Von Versorgungssicherheit ganz zu schweigen. Doch jetzt werden die Karten neu gemischt. Es ist unser Spiel: Essen und trinken wir Österreich schöner, sicherer, besser – weil es schmeckt!

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