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Ein melancholischer Nachruf

Der Summa is umma

Auch wenn der Herbst derzeit beweist, dass er den Beinamen „golden“ verdient, auf den meisten Almen ist Schluss. Kühe und Senner sind im Tal, die Hütten eingewintert. Ach, könnte ich diese prächtigen Herbsttage doch auf der Alm verbringen…

Ganz hinten im Zillertal, links auf dem Berg, dort liegt die Karlalm auf 1750 Meter, per Pedes gut erreichbar. Zufahren darf nur die Familie Fankhauser. Für meine Recherche dürfte ich auch, aber der Mut verlässt mich einige hundert Meter vor dem Ziel. Der Weg ist holprig und rutschig (von Regen und Kuhfladen), die Hänge steil. Nein, da vertraue ich lieber meinen Beinen und werde mit einem großartigen Anblick belohnt. 

Sepp Fankhauser, der Senior-Senner, sitzt normalerweise vor der Hütte und grüßt von weitem. Heute nicht, denn es ist frühmorgens, feucht und kalt. Die Wanderer werden erst ab Mittag eintrudeln. Macht nichts, so haben Sepp und Sohn Thomas Zeit, mit mir zu plaudern.Seit fast sechzig Jahren ist die Karlalm im Besitz der Familie Fankhauser. 42 Hektar ist sie groß, aber nur ein Viertel davon als Weidefläche nutzbar. Der Rest sind (Schutz-)Wald, Steine und Felsen. Zehn Milchkühe und zehn Jungtiere verbringen hier ihren Sommer. Die älteste Kuh ist zehn Jahre, ein Almprofi quasi. Am 27. Mai ging`s heuer auf die Alm, am 25. September wieder ins Tal. Da hatte es bereits einige mal geschneit und auf den Wiesen stand nur mehr wenig Gras. „Da gehen die Kühe gern heim“, erzählt Thomas. Bis vor zehn Jahren gab es eine Seilbahn, mit der Milch ins Tal „geflogen“ und in die Molkerei ins Zillertal gebracht wurde. Heute verkäsen die Fankhausers die gesamte Milch. Das sind 220 Liter in zwei Tagen. Warum zwei Tage? Weil damit der Käsekessel für einen Laib Bergkäse perfekt gefüllt ist. 24 Kilo Käse werden das. 60 Mal während eines Almsommers. Ergibt eineinhalb Tonnen goldgelber Hochgenuss! Und Thomas erklärt mir – beim „Marenden“ mit Käsebrot und Almkaffee – warum mich dieses Berggold so sehr anleuchtet: „Alles Milchfett bleibt im Käse.“ Mmmh, ein herrlicher Geschmacksträger. Außerdem muss der Käse mindestens sechs Monate reifen.



Im Sommer am Berg, im Winter im Reifekeller im Tal. Da bekommt er sämtliche Liebe und Aufmerksamkeit von Thomas. Und das dritte Geheimnis: Neben Bergkäse entsteht auf der Karlalm auch etwas Tilsiter. Und die Kombination dieser beiden auf einem selbstgebackenen Brot mit selbstgemachter Butter ist …Zurück zu den harten Fakten, nebst Idylle pur. 1,5 Hektar Almwiesen mähen die Fankhausers im Juni händisch, die Sonne trocknet es zu Heu und macht es haltbar. Zu dieser Zeit wächst nämlich so viel Futter auf den Wiesen, dass es die Kühe nicht abfressen können. Im September wird es dafür dringend benötigt, wenn das frische Gras und die Almsaison zu Ende gehen. Und wer glaubt, dass Wandern anstrengend ist, hat noch nie Heu am Berg gemacht. Ich keuche nach zwanzig schnellen Schritten, während rundherum alle mühelos bergab und bergauf springen – mit Rechen in der Hand oder Heu auf dem Rücken. Haben die einen kürzeren Fuß? Oder ich wirklich keine Kondition? Flachländerin. Peinlich, peinlich. Nochmal Fakten, diesmal technischer Natur. Wasser ist auf der Alm im Überfluss vorhanden. Das nutzen die Fankhausers, um eine Melkmaschine zu betreiben. Und das geht so: Das Wasser wird in einem großen Behälter gesammelt und rinnt während des Melkens in einer Leitung den Hang hinunter. Dadurch entsteht Vakuum. Oder so. Damit es die Kühe trocken und gemütlich und die Almbauern beim Melken „fein“ haben, wurde 1998 ein neuer Stall gebaut. Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom. Nicht so sehr fürs Radio (Fernseher gibt’s sowieso keinen), sondern für den Rührer im Käsekessel. „Des isch fein“, sagt Senior Sepp.Übrigens: Auch drei Schweine verbringen den Sommer in luftiger Höhe. Sie verwerten die beim Käsen anfallende Molke schmatzend und liebend gerne und liefern den Speck für die Brettljause im nächsten Almjahr. Dauert ja nicht mehr lange, nur mehr 211 Mal schlafen. 


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