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Die besten Erdäpfel stammen aus Kirchberg/Wagram

Nussig statt fad

von Manuela Schürr

Ich war mir so sicher: Die besten Erdäpfel kommen aus dem Waldviertel. Aber ich habe mich getäuscht. Die besten stammen aus Kirchberg am Wagram im Bezirk Tulln. Jedenfalls für die Ernte 2016.

82 Proben wurden zur heurigen Erdäpfelverkostung eingereicht – in zwei Kategorien, nämlich die Festkochenden sowie die vorwiegend Festkochen und Mehligen. Die Speckigen sind die Klassiker für Salat und Braterdäpfel, die Mehligen für sämige Pürees und gummige Knödl. Nach einer zweistufigen Blindverkostung stehen die stehen die besten Produzenten jetzt fest.

Der Sieg in der Kategorie Festkochend ging an:
1. Platz: Markus Payer aus Kirchberg/Wagram im Bezirk Tulln mit Sorte Alexandra
2. Platz: Manfred Schauer aus Pupping im Bezirk Eferding mit der Sorte Allians
3. Platz: Hermann Nitsche aus Wittau im Bezirk Gänserndorf mit der Sorte Valdivia

In der Kategorie Vorwiegend Festkochend und Mehlig gingen die Medaillen an:
1. Platz: Erdäpfelhof Eder in Sarleinsbach im Bezirk Rohrbach mit der Sorte Agria
2. Platz: Markus Payer aus Kirchberg/Wagram im Bezirk Tulln mit der Sorte Agria
3. Platz: Familie Hellmer in Auersthal im Bezirk Gänserndorf mit der Sorte  Alonso



Gute Erdäpfel sind offenbar kein Glücksfall, sonst hätte Markus Payer nicht so mächtig abgeräumt (übrigens auch schon in den letzten zwei Jahren). Einen goldenen und einen silbernen Erdapfel hat er sich geholt. Was macht er anders, als die anderen? Total überwältigt erzählt der Erdäpfelkaiser: „Naja, ich bin schon jeden Tag bei meinen Kartoffeln.“ Aber was tut er da am Acker? Mit den Knollen sprechen?

Wir fragen diejenigen, die es wissen müssen, also die fünf Spitzenproduzenten. Einer der Landwirte erklärt wie aus der Pistole geschossen: „Mäßig ernähren!“ Wie jetzt, der Landwirt soll sich mäßig ernähren? Nein, völlig falsch. Der Erdapfel möchte für die optimale Geschmacksausprägung kurzgehalten werden, also ausgewogen und nicht zu viel ernährt. Die Sieger kommen beim Erzählen über ihre Pflanzen ins Schwärmen. Und sie sind sich sicher, dass die jedes noch so kleine Zeichen der Blätter, der Stängel und der Knollen deuten können. Oberstes Ziel: Den Erdäpfeln muss es gut gehen. In der Saison 2016 hat das Wetter perfekt mitgespielt. Nicht zu kalt, nicht zu warm, immer die richtige Menge an Niederschlag, gute Erntebedingungen. 



Und dann ist da noch der Boden. Der beeinflusst den Geschmack mindestens genauso sehr wie die Sorte, vielleicht sogar noch mehr. Aber schmecken nicht alle Erdäpfel gleich? Fast werde ich ausgelacht, aber die Landwirte sind höflich genug, mir die Vielfalt und Bandbreite näher zu bringen. In den 70er bis 90er Jahren schmeckten die Grundbirn sehr neutral, sie sollten als Beilage nicht vom Hauptbestandteil der Mahlzeit ablenken. Seit 15 Jahren geht der Trend wieder in eine ganz andere Richtung (Gut so!). Ein kräftiger Eigengeschmack ist erlaubt, sogar erwünscht. Nussig statt fad. Was auch nicht wundert, denn die Zeiten der Knolle als schnöde Beilage sind vorbei. Sie wird in den Mittelpunkt des Tellers gerückt und darf kräftig nach Kartoffel schmecken.

Und wie schmeckt sie nun? „Nach Heimat“, meint die Mühlviertler Bäuerin. Zu ihr kommen Kunden, die Erdäpfel wie früher haben wollen, die sie sonst nirgends gekommen - und die sich herrlich zu typisch Mühlviertler Gerichten wie Knödel zaubern lassen.



Terroir also auch bei den Erdäpfeln. Der Erdäpfelgeschmack der Kindheit prägt. Ich liebe die „Erpfi“ aus dem oberen Waldviertel und dachte, ich erkenne sie blind. Aber gut, auch andere Mütter haben schöne Söhne und andere Gebiete hervorragende Kartoffel. Und die neue Ernte bringt neues Glück, neues Spiel. Wir schmecken uns 2017 wieder. Bis dahin: keep calm and eat Erpfi!

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