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Auf der Suche nach dem besten Erdapfel Österreichs

Der goldene Erdapfel

von Christoph Cecerle
Der Erdapfel, bei unseren Nachbarn auch Kartoffel genannt, ist seit jeher eines der Basisnahrungsmittel des Östereichers. Unzählige Gerichte zeugen davon, vor allem aber ist der Erdapfel als Beilage aus unseren Küchen nicht wegzudenken. Ob Pommes Frites, gebratene Erdäpfel, Püree oder Erdäpfelsalat, das unscheinbare Nachtschattengewächs, das der Paradeiser, dem Paprika und dem Tabak nahe steht, ist der Evergreen auf dem Teller.

Woher kommt der Erdapfel?
Der Erdapfel kommt ursprünglich aber nicht aus heimischen Landen, sondern ist eine kultivierte Form der Landerdäpfel, wie sie in den Anden von Venezuela über Argentinien bis Chile vorkommen. Auf ihren Reisen zwischen Südamerika und Europa waren es die Spanier, die das erste Mal Erdäpfel über den Atlantik zu uns gebracht haben, wo die erste Erwähnung dieser südamerikanischen Frucht um 1570 gefunden wurde.
In Österreich verfasste der Benedektinerabt Caspar Plautz im Stift Seitenstetten das erste Kochbuch mit Erdäpfelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien. Wir feiern also rund 400 Jahre Kultivierung der Erdäpfel auf unseren Äckern.



Wo werden Erdäpfel in Österreich angebaut?
Zentrales Anbaugebiet der Erdäpfel sind Niederösterreich und Oberösterreich, wobei mit unterschiedlicher Verteilung Saatkartoffel, Frühkartoffel, Speisekartoffel, Speiseindustriekartoffel und Stärkekartoffel angebaut werden.

So wundert es auch nicht, dass die 82 Einsendungen beim „Goldenen Erdapfel 2017“  aus Ober- und Niederösterreich kamen, wenngleich auch in anderen Bundesländern dieses Nachtschattengewächs angebaut wird. Die Konzentration auf diese beiden Bundesländer ist durch die Tradition begründet, aber auch durch die Infrastruktur, wie zum Beispiel Stärkewerke, die in diesen beiden Bundesländern aufgebaut wurde.



Die Beurteilung der Erdäpfel wurde in den beiden Kategorien festkochend und mehlig vorgenommen, Begriffe, die jedem Hobbykoch bekannt sind. So wissen wir seit Kindesbeinen, dass festkochende (auch speckige genannt) Erdäpfel für Petersilerdäpfel taugen, mehlige aber für das Püree besser geeignet sind.

Diese 82 Einsendungen wurden in einer Vorauswahl von Seminarbäuerinnen verkostet und auf eine Endauswahl von 12 Proben reduziert, jeweils 6 in den beiden Kategorien.

Warum werden Erdäpfel verkostet?
Spätestens hier stellt sich vielen wohl die Frage, warum Erdäpfel verkostet werden. Schmeckt nicht ein Erdapfel wie der andere? Allein in Österreich sind 80 verschiedene Sorten von Erdäpfeln bekannt und kein Erdapfel gleicht dem anderen, weder im Aussehen, noch im Geschmack oder auch Konsistenz.



Der Geschmack wird maßgeblich durch das Terroir bestimmt, ähnlich wie beim Wein und es erstaunt nicht, dass der Erdapfel eine sehr regionale Frucht ist. Was in der Region angebaut wird schmeckt am besten, vielleicht weil die Bevölkerung einen Bezug zum Produkt hat, vielleicht aus deshalb, weil der Geschmack über Jahrhunderte geprägt wurde. Was in Hollabrunn zu Applaus führt, muss in Eferding noch lange kein Hit sein.

Der Erdapfel zeigt eine wunderbare Bandbreite an Geschmäckern, Konsistenz und Aromen, Eigenschaften, die es wieder zu entdecken gilt, dem Konsumenten und Foodie wieder nahegebracht werde muss.

Auch die Farbe der Erdäpfel unterliegt regionalen Einflüssen. Der Österreicher liebt eine gelbliche dichte Farbgebung des Fruchtfleisches, der Niederländer liebt den blass weißen Kartoffel, genau so, wie die Produktvorgabe für Pommes Frites ist.

Überhaupt spielt die Optik leider eine übergeordnete Rolle beim Kauf der Erdäpfel. Schön und gleichmäßig soll die Knolle sein, ebenmäßig und sauber. Nur spiegelt die Oberfläche die Qualität des Produktes wieder?  Eine Kartoffel sollte für die Lagerung nicht sauber und gewaschen sein, da eine Erd- oder auch Schmutzschicht die Frucht vor zu viel Licht und Feuchtigkeit schützt und so die Lagerfähigkeit erhöht. Kühl und dunkel mag es die Kartoffel und am besten ohne der Nähe von anderen Nahrungsmitteln, deren Geruch oder Geschmack die Knolle nur zu gerne annimmt.



Alonso, Bamberger Hörnchen, Kipfler
Wer kennt sie nicht, die Sieglinde. Genau so, wie der Deutsche die Bamberger Hörnchen liebt. So groß die Produktvielfalt der Kartoffel, so klingend und blumig die Namen. Auch wenn die Sieglinde keine weit verbreitete Sorte mehr ist, der Name hallt heute noch nach. Alonso, Tosca, Melody, jede Neuzüchtung wird mit klingenden Namen benannt, während andere wie Ditta sich seit Jahrzehnten am Markt halten, vielleicht deshalb, weil sich die Sorte Ditta für wirklich alle Zubereitungsarten eignet. Auch international gibt es hierfür Beispiele, wie der Russet Burbank seit 120 Jahren beweist.
Ein klassisches österreichisches Bespiel ist der Kipfler, der uns seit 1956 begleitet und vor allem zur Weihnachtszeit am stärksten verkauft wird. Wahrscheinlich deshalb, weil ihr zu eurem gebackenen Karpfen nur Kipfler esst, oder?

So entpuppt sich der Erdapfel als flexibel einsetzbares Nahrungsmittel, lagerungsfähig und mit verborgenen Qualitäten, die es wieder zu entdecken gilt. Probiert aus, was ihr bekommen könnt, genießt die Erdäpfel pur und entdeckt die Geschmäcker und Texturen.

Und wer gewonnen hat, verraten wir euch demnächst! 

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