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Allerheiligen

Macht es euch bunt

von Christoph

Allerseelen, Allerheiligen haben für mich mit Kindheit zu tun. Großmütter, die uns Buben mitnehmen, endlose Märsche zu Gräbern am Ende des Wiener Zentralfriedhofs, klamme Finger am Friedhof Annabichl in Klagenfurt und  erste Schneeflocken Anfang November.



Der Tod war immer kalt und dunkel, nass vom Regen oder schwarz-weiß, wenn die Gräber bedeckt waren von den ersten Flocken. Warum meine Großmutter uns mitnahm, hat sich mir erst viel später erschlossen und auch heute noch ist der Tod für mich etwas Abstraktes.

Menschen die gehen, obwohl sie gerade noch da waren, Abschiede mit der Ungewissheit, ob man sich jemals wieder sieht. In der Kindheit und Jugend gingen, zumindest in der Erinnerung, die Alten, die so alt waren, dass man sich kaum vorstellen konnte, jemals so lange zu leben.

Im Laufe der Zeit starben aber auch junge, Menschen, die man wirklich kannte, mit denen man gelacht hat, Biere gemeinsam getrunken hat, Freunde und Verwandte, Tanten, Onkel. 

Langsam kommt der Tod näher, wie ein schwarzer Panther, und ob man will oder nicht, muss man sich Fragen stellen, denen man sich eigentlich nie hätte stellen wollen. 



Man muss den Tod begreifen lernen, man muss einen Umgang finden, man begreift den Tod langsam als Teil des Lebens, als Ende der einen Epoche, und hoffentlich Anfang einer neuen.

Vielleicht gerade der Wiener erkennt aber auch die subtilen Seiten des Sterbens. Er kämpft an, er verspottet den Tod, macht Witze, wohl wissend, dass er nie entrinnen wird. Er ist zornig, weil er allein gelassen wurde auf dieser Welt, und er ehrt seine Toten. Vor allem natürlich zu Allerheiligen und Allerseelen, wenn wir die Gräber besuchen, sie hegen und pflegen, mit Blumen schmücken, mit Efeu und Lilien, mit Rosen und Astern, so wie damals meine Großmütter mit meinem Bruder und mir.



Ich will meine Toten bunt in Erinnerung behalten, so bunt wie sie waren, in ihren Vorzügen und vielleicht auch kleinen Fehlern, ich will die Gräber bunt geschmückt mit frischen Blumen, bescheidenen Pflanzen. Manche werden bald verwelken wie das Leben selbst irgendwann verwelkt, manche werden das Grab länger schmücken, so dass alle sehen, dass neues kommt und wieder erblüht.



Damals habe ich den Sinn der Allerheiligenbesuche auf den Friedhöfen vielleicht nicht verstanden, heute erkenne ich, wieso meine Großmütter uns mitgenommen haben. Und ich werde auch Gräber besuchen, keinen Kranz niederlegen, vielleicht aber einen bunten Strauß in der Hand halten, ein Zeichen der Schönheit des Lebens und gleichzeitig der Vergänglichkeit. Ein Zeichen des Gedenkens und eine Erinnerung an mich, dass das Leben einen Anfang und ein Ende hat.

Macht es euch bunt!