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Warum ich Schelte für einen Erdäpfel-Strauß bekam

Über die Schönheit der Erdäpfelblüte



Wir Waldviertler lieben Erdäpfel. Wir essen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu jeder Mahlzeit, in tausend Varianten und am liebsten als Knödl. Wir verehren die perfekte Parallelität der Furchen, Roahl genannt. Und wir stehen auf die zarte, weiß-gelbe Blüte.

Ich ganz besonders. Das führte dazu, dass ich von meiner Großmutter ordentlich Schelte bekam, als ich einmal mit einem - mit viel Liebe gepflückten - Strauß mit Erdäpfelblüten nach Hause kam. Ihre Freude hielt sich in Grenzen. Ob ich denn nicht wisse, dass wir damit weniger "Erpfi" ernten werden? Sie malte ein bedrohliches Bild: viele Mahlzeiten mit Nudeln statt Karoffeln! Ich bin kein Botaniker, glaube aber, dass die Blüte notwenig ist, damit Knollen ausgebildet werden. Stimmt das? (Für zweckdienliche Hinweise bin ich dankbar.)



Mit meiner Faszination für die wunderbare Blüte bin ich aber nicht allein. Historikern zu Folge kamen die Erdäpfel mit Columbus nach Europa und wurde am Spanischen Hof ausschließlich als unheimlich hübsche Zierpflanze verwendet. Ihre oberirdischen, grünen Früchte zu essen, hatten wohl ein paar Verwegene gewagt, es bekam ihnen aber gar nicht gut. (Achtung: Hände weg! Die sind giftig.) Und die Knollen in der Erde zu essen, war ein absolutes No-Go. Alles, was unter der Erde wuchs, war des Teufels.

Wie schaffte es die tolle Knolle aber schließlich zur allgemeinen Beliebtheit? Regierende erkannten den Wert der verdickten Triebe im Kampf gegen die Hungersnöte. Die Skepsis gegenüber dieser Pflanze legten sich aber erst, als König Ludwig XVI. Erdäpfel am französischen Hof servieren ließ und damit salonfähig machte - vom Bauern bis zum König.

PS: Die wunderbaren Bilder sind durch die Linse eines ebenso Erdäpfel-verliebten Waldviertlers entstanden. Danke!